Montag, 30. Dezember 2013

The same situation as last year?

The same situation as every year.

Dieses abgewandelte Frage-und-Antwort-Spiel ist alljährlich ein Klassiker des Silvesterprogramms. Auch im Hause ZweiLinien. Wir beenden dieses Jahr wie das davor - ohne Kind. Und das davor. Und das davor. Morgen ist der letzte Tag des Jahres und ich bin froh, dass es vorbei ist. 2013 - dieses Jahr hat uns kein Glück gebracht. Es war ein mieses Jahr. 

Beruflich stecke ich in einer Sackgasse fest, ich bin unglücklich und werde unzufrieden. Die Arbeitsbedingungen sind emotional sehr belastetend und ich kann meine Arbeit nicht so machen, wie ich gern würde, weil die Umstände es vorgeben. Der Ausweg wäre ein Jobwechsel, doch den hätte ich besser schon vor 2-3 Jahren machen sollen. Da dachte ich allerdings noch, es klappt bald mit dem Traum vom Baby. Jetzt zu wechseln wäre nicht gut, denn ein Jobwechsel und die Kinderwunschbehandlung wären schwer zu vereinbaren.

Der Kinderwunsch hat dieses Jahr sehr dominiert. Meine schwere Phase im Januar, die mich fast eine Freundschaft gekostet hätte. Dann der Info-Termin in der Kinderwunschklinik im Februar. Der erste Termin dort im April und im Mai haben wir direkt den ersten Clomifen-Zyklus gestartet und abgebrochen. Dann die Zyste, Urlaub und (eigentlich) ein Pausenzyklus und Anfang Juli der erste Schwangerschaftstest mit zwei Linien. Zwei Wochen später der Anfang vom Ende, der Wunderfloh wächst nicht weiter und geht im August zu den Sternen. Im Oktober die erste ICSI und das Negativ im November. Kryo-Zyklus im Dezember und eine Woche vor Weihnachten das nächste Negativ. Wieder stehen wir da, mit leeren Händen. Same situation as last year.

Es war ein anstrengendes Jahr. Es hat viel Kraft gekostet. Im Moment bin ich einfach nur müde, müde und erschöpft. Ich bin froh, dass wir gerade Pause machen. Ein Zyklus, in dem grade mal gar nichts passiert. Wie es weiter geht - ich weiß es gerade nicht. Wir werden es sehen. 

Doch etwas darf ich aus diesem verkorksten Jahr mitnehmen, rüber nach 2014: meinen Blog, die Blogschwestern und das Netz, dass sich hier verwoben hat. Ich hätte nicht gedacht, welch einen enormen Raum dies in meinem Leben einnehmen würde. Wie wichtig mir der Blog geworden ist, wie sehr IHR mir ans Herz gewachsen seid. Hier ist Raum für Weinen und Lachen, Hoffen und Bangen, Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit, für Spass und Glück und hilfreiche Ratschläge. Auch wenn das Jahr für mich nicht so glücklich endet, wie ich es mir gewünscht hätte - es ist ein großes Glück für mich, dass ich den Blog habe. Ich weiß nicht, wie ich dieses Jahr ohne diese Möglichkeit durchgestanden hätte. Ich habe einen Platz gefunden, meinen Platz, in diesem großen Kinderwunsch-Universum, mehr noch: ich habe wunderbare Menschen in mein Leben gelassen, die meisten nur virtuell, trotzdem seid ihr mir ganz nah. Ein paar haben den direkten Weg in mein Herz gefunden, sind zu Seelenschwestern geworden, starke Frauen, jede voll Weisheit, Witz und Liebe. Ihr seid wunderbar, Mädels!

Auch im realen Leben haben uns Familie und Freunde im letzten halben Jahr sehr zur Seite gestanden und aufgefangen. Dafür bin ich sehr dankbar. Es war die richtige Entscheidung, sie endlich einzuweihen und wir haben es bis heute nicht bereut. 

Eine Freundschaft, die schon lange, lange besteht, hat sich durch den Verlust des Flohs gewandelt und ist - jedenfalls für mich - viel enger geworden. Sternchen, du bist die Einzige, aus meinem realen Leben, die hier lesen darf, deshalb möchte ich dir hier an dieser Stelle sagen: Danke! Danke, dass du für mich da warst und bist, zu jeder Zeit - und auch wenn du anderer Meinung bist: ich hätte es ohne deine Hilfe nicht geschafft! Du bist großartig. Ich wünsche euch, dass 2014 ein großartiges Jahr für euch wird und freu mich, wenn wir uns bald sehen.

So starten wir also in ein paar Stunden in das neue Jahr. Möge es für uns alle viele positive Schwangerschaftstests, dicke Kugelbäuche und gesunde Babies bereit halten. 

The best is yet to come!

Happy 2014!







Dienstag, 24. Dezember 2013

Weihnachten im Paralleluniversum

Tja, nun ist also Heiligabend. Das Negativ nun eine Woche her. Und als ob es nicht schon gereicht hätte, hatten wir am selben Abend noch einen Todesfall in der Familie. Ich kann mich nicht erinnern, mich gemeldet zu haben, als jemand fragte, wer denn noch mehr Mist in seinem Leben will. 

Seit Montag lebe ich also in zwei Welten gleichzeitig. Eine ist weihnachtlich, mit leuchtenden Kerzen, Weihnachtsduft, Geschenken und Vorfreude. 

Die andere ist einfach nur trüb. Da dominieren die Trauer um verlorene Chancen, Enttäuschung und Kraftlosigkeit. Im Alltag lebe ich die Tage ohne den Floh, doch jetzt gerade zu Weihnachten stiehlt sich immer öfter der Gedanke in mein Herz, dass es dieses Weihnachten anders hätte sein können. Ein anderer, positiver Ausgang der letzten zwei Transferversuche hätte diesen Schmerz vielleicht lindern können. So jedoch bin ich ihm ausgeliefert. 

Damit er nicht Überhand gewinnt, springe ich wieder in die Parallelwelt. Dort wo Weihnachten immer schön ist, wo Freude, Liebe und Licht ist und versuche, dass die Hand des Herzmannes mich dort hält. 

Vielleicht ist das nicht gerade ein hoffnungsvoller Post, wo Weihnachten doch die Zeit der Hoffnung sein soll. Doch es ist ein bisschen viel verlangt, wenn man von Weihnachten erwartet, dass es auf einmal alles Traurige vergessen macht. Weihnachten ist nicht wie in der Fernsehwerbung. 

Ich weiß nicht, warum gerade dieses letzte Negativ so schwer zu ertragen ist. Ich scheine dieses Mal mehr Zeit zu brauchen, um wieder aufzustehen. Doch ich möchte euch aus tiefstem Herzen danken, für euren Beistand und eure lieben Worte. Sie dringen vor bis in die Dunkelheit, sie wärmen in der Kälte und streicheln in der Einsamkeit. Sie umgeben mich im Grau dieses Paralleluniversums wie ein schützender Mantel und fangen mich auf wie ein Netz. 

So flüchte ich mich gleich wieder in mein Weihnachtsuniversum, in dem mich die Liebe meines Mannes, meiner Familie und meiner Freunde wieder auffängt und das Licht der Kerzen die Schatten zumindest für die nächsten Tage vertreibt. 


Montag, 16. Dezember 2013

Hello again - ich bin dein Negativ und geb dir mal wieder eins auf die Mütze.

Negativ. Wieder.
HCG bei Null.
Nix Nikolaus. Nix Xaver.

Trotz bester Voraussetzungen, super Schleimhaut, super Embryos. Wieder nix.

Ich versteh's nicht.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

To whom it may concern - ich habe kalte Füsse

Ich hab kalte Füsse. Eiskalt. Gerade habe ich in meiner Statistik gelesen, dass jemand mit der Suche "Kryo positiv mir ist warm" auf meinen Blog gestossen ist. Wenn das stimmt, hat unser Versuch wohl nicht geklappt. 
 Aaaaaaaaaaaber wenn das nicht stimmt, dann würde sich mein Gefühl bestätigen. Das Problem dabei ist, ich trau diesem Gefühl nicht übern Weg. Doch ich wollt's auf jeden Fall mal vorher sagen, denn wenn ich hinterher sage, ich habs geahnt die ganze Zeit, sagt die halbe Welt "klar, kann man hinterher ja leicht sagen." Wenn nicht, hab ich mich halt getäuscht. Fallen tu ich dann eh. Aufstehen aber auch. Ich wollte es halt mal dokumentieren. Schwarzaufweiss. Ich hab ein gutes Gefühl. Xaver. Nikolaus. We will see.

Freitag, 6. Dezember 2013

Nikolaus und Xaver

Sturm Xaver hat uns am Nikolaustag einige Zentimeter Schnee gebracht. Zuerst schaufel ich also mein Auto vom Schnee frei. Dann fahre ich 90 Minuten vor Termin los - ich befürchte Verkehrschaos auf den Straßen. Am Dienstag habe ich für 20 km eine Stunde Fahrzeit gebraucht. In unserer kleinen Straße ist es recht rutschig, aber kaum bin auch auf der Autobahn ist die ganze weiße Pracht weg. Ich komme ganz gut durch und bin in 35 Minuten da. Was mach ich bloss mit so viel Zeit? Na klar, Parkplatz suchen. Das dauert ungefähr 20 Minuten. Ich kurve und kurve... und ich muss aufs Klo. Darf ich aber nicht. "Sie dürfen gern zuhause nochmal zur Toilette, aber dann nicht mehr, die Blase muss ein bisschen gefüllt sein, dann ist es einfacher mit dem Transfer." Aber so ist dass, sagt dir einer, du darfst nicht - dann muuuuuuussst du. Mist. Kaum bin ich also vom Auto zur Klinik gelaufen, mittlerweile in heftigem Schneegestöber ist direkt vor der Tür ein Parkplatz frei. Na, hoffentlich läuft der Rest des Tages besser...

Inzwischen ist es 10 Uhr, in einer halben Stunde bin ich dran. Heute ist etwas mehr los, 3-4 andere Frauen im Wartebereich. Ich setze mich, zieh mein Buch raus und komme endlich zum lesen. Aber ich komm wieder nicht weit. Nach ein paar Minuten werde ich aufgerufen und es geht los. Die Schwester nimmt mich in Empfang: "Ach, Sie sind allein?" Äh, ja - aber ist ja nur Transfer. Ich scheine ihr trotzdem leid zu tun. Sie geht kurz Labor und Ärztin informieren, dass ich da bin - derweil entblätter ich mich schon mal unten rum und setz mich auf den Stuhl. Schnell ist sie wieder da "damit sie nicht so allein sind". Irgendwie hab ich das Gefühl, ich bin eine Ausnahme. Dann kommt die Ärztin dazu, es ist die nette Blonde von Dienstag, sie erkennt mich auch wieder und freut sich. Es geht los, nochmal US und dann kommt die Biologin und bringt meine zwei Eis-Schätzchen. Alle beide haben das auftauen gut überstanden und die Ärztin ist sehr zufrieden über die schöne Qualität. Wir witzeln noch ein bisschen darüber, dass es ja heute perfektes Wetter für Eisbärchen ist und schon ist die ganze Prozedur vorbei. Nikolaus und Xaver sind eingezogen. Ich hoffe, zumindest einer von ihnen bleibt. Ab jetzt wieder ein bisschen schwanger. :) 

Die Warteschleife ist dieses Mal richtig kurz: am 16.12. darf ich schon zum Bluttest. Na, das klingt doch gut. ich verabschiede mich von allen, schnapp mir meinen Transferbericht und stiefel durch den Schnee zum Auto. Dort lese ich erstmal, was im Bericht steht: einen 8- und einen 10-Zeller habe ich zurück bekommen.

Ich freue mich auf ein paar freie Tage beim Schwesterherz ab morgen und habe schon angekündigt, dass wir zu Dritt kommen.


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Morgen wird es Kinder geben...

Upps, schon wieder das böse Wort. Aber heute mal nix über Ferrero & Co. (das habe ich per Kommentarfunktion erledigt). 

Nein, mir schwirrt heute dieses altbekannte Weihnachtslied im Kopf herum. Allerdings habe ich die Reihenfolge der Worte ein wenig umgestellt - aus aktuellem Anlass, sozusagen. Denn vor lauter ärgern über - na ihr wisst schon wen und was - habe ich noch gar nicht erzählt, was am Dienstag bei meinem US beschlossen wurde. 

Nachdem ich also - verkehrsbedingt - auf die letzte Minute vor der Kiwu geparkt habe, war ich etwas erstaunt. Dienstag morgen, 8:33 Uhr: 3 (nicht 30, blöder Tippfehler - hahahaha) Arzthelferinnen hinter der Anmeldung aber kein Mensch im Wartebereich. Keine Kiwufrau, kein Kiwumann. Total tote Hose. Ich setz mich trotzdem kurz, schlage mein Buch auf und werde schon zur Blutabnahme gebeten. Es dauert ein bisschen, bis meine liebste Vorzeigevene gefunden ist, ein bisschen Small Talk und ich dackel zurück ins Wartebereich. 8:42 Uhr und ich bin noch immer allein. Will denn keiner mehr Kinderwunschbehandlungen machen? Wo zum Teufel seid ihr, Mädels? Bei Frau Dr. ist auch noch die Tür zu. Ich krame mein Buch wieder raus, kaum habe ich ein paar Zeilen gelesen, werde ich schon wieder unterbrochen. Eine mir bis dahin unbekannte blonde Frau Dr. steht vor mir. Sie lächelt, stellt sich vor und sagt, sie habe gesehen dass ich einen Termin bei ihrer Kollegin habe um 8:30 Uhr - die sei allerdings noch im Gespräch, ich könne gern auf sie warten oder direkt mit ihr mitkommen - also, wenn das für mich OK wäre und ich sonst nichts mehr mit "meiner" Frau Dr. zu besprechen hätte. 

Na, da geh ich doch gleich mit, dann komme ich wenigstens schneller wieder ins Büro (guute Entscheidung, ich brauchte nämlich für 12 km eine geschlagene dreiviertel Stunde im Stadtverkehr). Die blonde Frau Dr. schaut sich meine Akte an, den ICSI Bericht und den Kryoplan. Dann gucken wir mal, wie es innen drinnen aussieht. Während ich mich entpelle, fragt sie, wie ich mit den Pflastern zurecht komme. Ich berichte von den ständigen Kopfschmerzen und Migräne; ja, das käme durch den schwankenden Östrogenspiegel. Ok, bekannte Nebenwirkung - muss ich jetzt wohl mit leben. 

Sie schaut nach der Schleimhaut und die sieht super aus. Also, auch wenn ich von allein keine gescheiten Eier produzieren kann, aber Schleimhaut, Schleimhaut kann ich. Wenigstens etwas. An ZT 14 ist die Schleimhaut mal wieder schöööön dreischichtig und bei 10 mm. Dieses "dreischichtig" scheint wohl irgendso ein "besonders-wertvoll-Prädikat" zu sein, egal wer bis jetzt bei mir US gemacht, jeder teilte mir voller Stolz mit, dass die Schleimhaut "schööööhn dreischichtig" sei. Vielleicht lass ich mir mal ein T-Shirt drucken mit dem Spruch.

Übrigens keine Eierchen - sollte wohl auch so sein, die Pflaster kleb ich ja nicht umsonst. Das Endergebnis ist jetzt allerdings, dass der für nächsten Mittwoch geplante Transfer verlegt wurde. Auf MORGEN! Ich hätte sie auch schon heute zurück bekommen können, aber ich habe erst für morgen Urlaub bekommen. So habe ich ein schönes, langes Wochenende. Denn am Samstag fahre ich zu meinem Schwesterherz und bleibe bis Dienstag.

Für mich ist es total unwirklich, dass es jetzt morgen schon wieder soweit ist. Irgendwie ging alles so wahnsinnig schnell. Die PU ist gerade mal 4 Wochen her und schon bekomme ich morgen die ersten Kryos zurück.

Montag, 2. Dezember 2013

Welcher Depp hat sich DAS ausgedacht???!!!

Ich schwöre, ich bin wirklich viel lockerer geworden, was den Kinderwunsch im Alltag angeht. Ich kann Schwangere und Babies und Kleinkinder - sogar nervige im Supermarkt - problemlos ertragen. Ich weine nicht bei der Pampers-Werbung im Fernsehen, Claus Hipp oder die glückliche Kleinfamilie in diversen Werbespots machen mir nichts aus. Auch die naive TV-Tante, die der allwissenden "Claire" die Frage nach den besten Tagen um schwanger zu werden stellt, geht mir sonst wo vorbei. Und die Kinder auf dem Karusell auf dem Weihnachtsmarkt stürzen mich nicht in Depressionen. 

Fragt ihr euch, worauf ich hinaus will? Oder ahnt ihr es schon? Was mich wirklich wirklich wirklich richtig auf die Palme bringt? Wo ich jedes Mal am liebsten irgendwas Schweres, Hartes, Spitzes in den heißgeliebten, superteuren und noch ziemlich neuen Plasmafernseher schmeißen möchte? Ich hasse die Weihnachtswerbung von Ferrero mit der dämlichen Frage "was wäre Weihnachten ohne Kinder...?" - die natürlich auf die Kinderschokoladen-Produkte abzielt. Diese Frage sticht mir buchstäblich ins Herz. Denn sie impliziert für mich als Kinderwunschfrau vor allem eines: Weihnachten ist NICHTS ohne Kinder. DU hast keine Kinder, also hast du auch kein Recht auf ein schönes Weihnachten. Wofür machst du dir die Mühe, denn da werden keine leuchtenden Kinderaugen sein, die auf das Christkind warten? Also, lass es bleiben. 

Aber, liebe Marketing-Leute von Ferrero, die ihr für die Kinder-Kampagne zuständig seid: 
IHR KÖNNT MICH MAL KREUZWEISE!

Ich hab eine schöne Weihnachtszeit. Noch ohne Kinder. Aber dafür mit jeder Menge Kerzen. Selbstgebackenen Plätzchen. Weihnachtsgeschichten für Kinder, die auch Erwachsenen das Herz aufgehen lassen. Weihnachtstee. Punsch. Tannennadelduft. Schneemännern. Weihnachtsfilmen. Tannenbaum. Adventskranz. Adventskalender. Weihnachtsliedern. Liebevoll verpackten Päcken. Kleinen Überraschungen. Gebrannten Mandeln. Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt. Glühwein. Schneeflockengestöber. Weihnachtspost. Glöckchengeläut. Kartoffelsalat. Zeit mit der Familie. Lachen. Liebe. 

Ohne Ferrero.