Mittwoch, 11. März 2015

Vier Buchstaben, die alles in Frage stellen

Eigentlich machen wir ja Pause. Behandlungs- und vor allem Ärztepause. Ich hatte so die Nase voll von den ständigen Terminen und Hiobsbotschaften. Und dann lag da dieser Umschlag vom Transfusionsprofessor auf dem Esstisch. Komisch, denn ich war doch schon ewig nicht mehr da. Will er mich etwa zur Kontrolle sehen? 

Nein, weit gefehlt. Ich hab den Inhalt des Schreibens erst gar nicht kapiert. Irgendwas war falsch gelaufen im Labor. Erst beim dritten durchlesen wird mir klar: da ist was richtig, richtig schief gelaufen. Und nun steht da was im Raum, über das der Prof mit mir sprechen möchte. Etwas, das für mich vielleicht die letzte ICSI in Frage stellt.

FAIT / bzw. NAIT Syndrom 

Mir sagte das nichts, aber selbstverständlich hilft hier das Internet erstmal weiter. Ich  habe eine Infoseite von 2 Ärzten dazu gefunden (hier). Und auch wenn ich weiß, dass Ärzte es nicht gern mögen, wenn man sich selbst Wissen im Internet anliest, weil die Wahrheit der Quellen ja schwer prüfbar ist, ich muss wissen, worum es geht, um Fragen stellen zu können, die für mich wichtig sind. Denn die Entscheidung, was ich, was wir verantworten können, die kann kein Arzt der Welt für uns beantworten. 

Ich habe immer gesagt, ich habe Grenzen, die ich nicht überschreiten würde. Beispielsweise, wenn ich schon vor der Behandlung wüsste, dass ein großes Risiko besteht, dass mein Kind schwer krank oder in seiner Lebensqualität stark eingeschränkt sein wird. Nicht, weil ich ein Problem mit behinderten Kindern habe, ganz im Gegenteil. Wenn so etwas passiert, weil niemand das Risiko kannte, dann ist es etwas anderes, als wenn ich das Risiko kenne und bewusst eingehe, weil ich mein "wollen" über das Wohl meines Kindes stelle. 

Nächste Woche habe ich das Gespräch mit dem Professor. Dann werden wir sehen, was er sagt. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht. 

Ich habe damals sehr lange überlegt, wie ich meinen Blog nennen soll und der Titel kam aus meinem Herzen. Es war so stimmig - und nun überlege ich so oft, ob sich der Name, unter dem ich hier blogge, vielleicht schon selbst überholt hat. "Zwei Linien" - einmal im Leben hatte ich zwei Linien. Welch ein kostbarer, wunderbarer Moment. Er war einzigartig. Doch vielleicht wird er das auch bleiben. Einzigartig - unwiederholbar. 

Vier Buchstaben.

FAIT
NAIT
NEIN
BABY
KIND
ENDE


Kommentare:

  1. Puhhhhhh muss ich erst mal verdauen....wie muss es dir da bloß gehen...
    Ich bin in Gedanken fest bei dir ♥

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  2. Du Liebe, ich verstehe Deine Gedankengänge so sehr gut ! Du kennst unsere Geschichte ja und weißt, dass wir damals den Weg unter anderem auch aus genau diesen Gedanken heraus verlassen haben. Auch wenn sich das erst vor kurzem als Fehlinformation der Mediziner entpuppte, stehe ich bis heute voll und ganz dahinter, so entschieden zu haben. Ich hätte mein Kind auch nicht einem wie auch immer kalkulierten Risiko aussetzen mögen. Was niemand weiß, weiß niemand. Aber bewusst, nur um MEINEN Kinderwunsch zu erfüllen, ein Risiko auf Kosten des Kindes.....wir konnten es auch nicht.
    Ich liebe das Gedicht von K. Gibran ebenfalls sehr - welches ich eben in Deinem Kommentar gelesen habe - und es sagt für mich ALLES, was so schwer ist in Worte zu fassen.

    Dir/Euch wünsche ich jetzt, dass Ihr eine offene, umfängliche und ehrliche Beratung erhaltet. Am besten durch zwei unabhängige Ärzte.
    Und ich wünsche Dir so sehr, dass sich das noch irgendwie alles auflöst......in Wohlgefallen....und zwar BEVOR Ihr Eure Entscheidung treffen müsst ! Und nicht erst viel später. Wie bei uns.

    So dass Du die Chance Deiner letzten ICSI, die Ihr ja noch geplant hattet, nutzen kannst ! Voller guter Hoffnung und ohne zusätzliche Sorgen.

    Und wenn nicht.....dann sehen wir dann weiter.
    Bis dahin denke ich an Dich ! Sehr.
    Isa

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  3. Ach, Mann, Liebschen....

    Iss hat schon alles gesagt...nein, nicht ganz...
    Das ist der kaukasische Kreidekreis...das Märchen....kennst Du, oder?!
    Auch dort entscheidet sich eine Mutter gegen ihr Kind, was DIE Entscheidung für Ihr Kind ist...
    Ich wünsche Dir so sehr, das, wenn Fu loslassen musst, Dich die unbändige, unzerstörbare Liebe zu Feinen ungeborenen Schätzchen begleitet....denn wenn ich eins weiß....Liebe stirbt nie.
    Sie ist der Geist des Tales, das Licht aus Eardil, der Wind unter Deinen Flügeln und irgendwann auch der Frieden in Deinem Herzen.
    Jemanden so sehr zu lieben, dass man ihm Leid erspart, auf seine Anwesenheit voller Schmerz zu verzichten, weil man weiß, dass diese auch nur eventuell die Chance Bergen könnte, dass es dem geliebten Menschen nicht gut geht damit....das ist...Liebe.
    Ganz, ganz große Liebe.
    Möge Yemaya, unter deren Schutz man in meiner Welt die Kinderwünschenden schon immer gestellt hat und die auch unsere Babies hütet, Dich wiegen und hüten.
    Denke an Fich bei den Arztterminen und ...Du weißt ja, wo unser Haus wohnt..
    xoxo, Belle

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  4. ....und die ganzen Tippfehler sind dem Mäusekino geschuldet, sorry!
    ...bin unterwegs, aber die Worte duldeten keinen Aufschub...

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  5. Ich denke an Dich!
    LG Marlene

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  6. Auch ich denke an dich! Mehr bleibt grade nicht zu sagen :/

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  7. Faq! Da versucht man herauszufinden was man eigentlich will und dann kommt so ein Hammer.
    Ich drück dich!

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  8. Wenn ich irgendetwas von Labor-Unstimmigkeiten lese, drängt sich mir doch sofort die berühmte Zweitmeinung auf. Ich würde alle Werte noch einmal genau bestimmen lassen - soweit es geht, von einem anderen Labor. Wenn die einen schon einmal Mist gebaut haben...
    Zweitens, ich habe das mit der Genetik nicht ganz verstanden. Tritt das generell jetzt immer bei Dir auf, oder abhängig vom Mann? Vielleicht evtl. über Samenspende nachdenken? Es gibt wohl auch leichtere Verläufe, die mit einem bestimmten Wert von Dir (oder so, siehe wiki) zusammenhängen. Also kann man das Risiko schon etwas genauer abschätzen, wenn man alle Werte bestimmt hat.
    Drittens habe ich mal nach Erfahrungsberichten gesucht und habe z.B. das gefunden. http://www.urbia.de/archiv/forum/th-3140248/wessen-baby-hatte-auch-eine-neonatale-alloimmunthrombozytopenie.html Falls Du es noch nicht kennst. Das klingt etwas hoffnungsversprechender als die nüchternen Zahlen und Risiken der eher auf Vollständigkeit bedachten (daher jede mögliche Komplikation genannt) medizinischen Seite.
    Möglicherweise kann man eine Icsi dann auch zum Vorteil nutzen und die Samenzellen irgendwie vorher aussortieren, falls Dein Mann heterozygot ist?

    Am besten, Du schreibst Dir vor der Beratung einen ganz langen Zettel mit Fragen, damit Du nichts vergisst. Wenn Du etwas nicht verstehst, dann frag solange nach, bis der Prof es verständlich erklärt und nicht in seinem Medizinerlatein. Ganz wichtig bei solchen harten Diagnosen!!!

    Und zu guter Letzt wünsche ich Euch noch alles Glück der Welt!

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  9. Liebe Zwei Linien,
    manchmal müssen wir uns gegen jemanden entscheiden, um das Beste für ihn zu erreichen. Das ist eine der schwierigsten, paradoxesten und mutigsten Entscheidungen, die ich kenne.
    Ich wünsche Euch, dass Ihr gut und umfassend beraten werdet.
    Ich würde Euch so gerne noch ein paar ermutigende Worte mitgeben, aber ich finde keine. Ich weiß nur eins, solltet Ihr Euch entscheiden diese Tür zu schließen, so wird sich eine andere für Euch öffnen. Ich denke an Euch!
    Liebe Grüße!
    Gudrun

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